Die zwei Gruppen
Nur Geschmack
Aromatisierte Sprays, Gels und Lipgloss, die den Geschmack verändern und sonst nichts tun. Sie enthalten Aromen, ein Süßungsmittel und einen Träger – mehr nicht. Wer den Geschmack als Hürde empfindet, findet hier die unkomplizierte Lösung.
Der Unterschied zu einem aromatisierten Gleitgel ist gering und liegt vor allem in der Darreichungsform: Sprays verteilen sich fein, Lipgloss bleibt auf den Lippen, Gels lassen sich gezielter auftragen. Funktional überschneiden sich die Gruppen weitgehend.
Mit betäubender Wirkung
Produkte, die als Deep-Throat- oder Relax-Spray verkauft werden, enthalten in aller Regel ein örtliches Betäubungsmittel – meist Benzocain, seltener Lidocain. Es setzt die Empfindlichkeit im Rachenbereich herab und dämpft damit den Würgereiz.
Das funktioniert, und es ist der Grund, warum diese Produkte gekauft werden. Es hat aber Folgen, die zur ehrlichen Beschreibung gehören und die im nächsten Abschnitt stehen. Dasselbe Wirkprinzip steckt in den Verzögerungsmitteln für Männer, dort allerdings mit einem anderen Ziel.
Was der Würgereiz eigentlich tut
Er ist ein Schutzreflex. Er verhindert, dass etwas in die Luftröhre gerät, und er meldet, wenn etwas zu weit hinten ist. Wer ihn ausschaltet, schaltet damit auch die Rückmeldung aus – und die ist genau das, was in dieser Situation Verletzungen und ernstere Zwischenfälle verhindert.
Praktisch heißt das: Ein betäubendes Spray macht nicht möglich, was vorher unmöglich war, sondern nimmt das Signal weg, das die Grenze markiert hat. Wer es benutzt, sollte langsamer vorgehen als ohne, nicht schneller – das ist das Gegenteil dessen, wozu die Produktbeschreibungen einladen.
Dazu kommt die Übertragung: Der Effekt bleibt nicht bei der Person, die das Spray benutzt. Er geht auf die andere über, und wer damit nicht rechnet, wundert sich über ein taubes Gefühl. Das gehört vorher gesagt.
Benzocain im Einzelnen
Der am häufigsten verwendete Wirkstoff in dieser Gruppe. Er wirkt schnell und kurz, und er ist in vielen frei verkäuflichen Produkten enthalten – auch außerhalb dieses Sortiments, etwa in Halspastillen und Zahnungsgelen.
Zwei Punkte gehören dazu. Erstens die Allergie: Benzocain gehört zu den Lokalanästhetika, gegen die vergleichsweise häufig Kontaktallergien bestehen. Wer beim Zahnarzt oder bei Hautprodukten schon einmal reagiert hat, meidet diese Gruppe.
Zweitens ein seltenes, aber ernstes Risiko: Für Benzocain ist eine Methämoglobinbildung beschrieben, bei der das Blut Sauerstoff schlechter transportiert. Sie tritt sehr selten auf und betrifft vor allem kleine Kinder und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen – Behörden mehrerer Länder haben deshalb vor der Anwendung bei Kleinkindern gewarnt. Für Erwachsene in üblicher Dosierung ist das Risiko gering, aber es ist der Grund, warum diese Produkte nicht großzügig und nicht wiederholt in kurzen Abständen angewendet werden.
Anzeichen wären bläuliche Verfärbung von Lippen oder Fingernägeln, Kopfschmerzen und Atemnot. Das ist ein Notfall und kein Grund abzuwarten.
Wann diese Produkte nicht angewendet werden
Nicht zusammen mit Alkohol in größerer Menge, weil beide die Wahrnehmung dämpfen und sich der Effekt addiert. Nicht bei bekannter Allergie gegen Lokalanästhetika. Nicht bei Entzündungen oder Verletzungen im Mund- und Rachenraum, weil der Wirkstoff dort stärker aufgenommen wird. Und nicht wiederholt hintereinander.
Wer unsicher ist, hat eine einfache Alternative: Der Würgereiz lässt sich auch ohne Wirkstoff beeinflussen. Eine veränderte Kopfhaltung, eine andere Position, langsames Vorgehen und schlicht Übung wirken bei den meisten mehr als ein Spray – und sie nehmen die Rückmeldung nicht weg.
Geschmacksprodukte
Bei den rein aromatisierten Produkten sind die Fragen kleiner. Zu prüfen ist die Zutatenliste auf Zucker: Zuckerhaltige Produkte können bei vaginalem Kontakt das Milieu verschieben und Pilzinfektionen begünstigen – für den Mundbereich ist das unproblematisch, für alles danach nicht.
Zweitens die Kondomverträglichkeit. Wasserbasierte Produkte vertragen sich mit Latex, ölhaltige nicht – und bei Lipgloss und Balm sind Öle und Wachse häufig enthalten. Wer ein Kondom verwendet, wählt ausdrücklich wasserbasiert oder trägt das Produkt nur dort auf, wo kein Latex hinkommt.
Zum Geschmack selbst: Die Aromen sind Süßwarenaromen und schmecken entsprechend – nach der Vorstellung einer Frucht, nicht nach der Frucht. Wer damit rechnet, wird nicht enttäuscht.
Anwendung
Bei Sprays ein bis zwei Sprühstöße, nicht mehr, und einige Sekunden warten. Bei Gels und Balms eine kleine Menge auf den Lippen verteilen. Bei betäubenden Produkten gilt zusätzlich: die Wirkung abwarten und in dieser Zeit nichts weiter tun – der Effekt setzt über ein bis zwei Minuten ein, und Nachlegen vor Ablauf dieser Zeit führt zu einer Dosis, die niemand wollte.
Angewendet wird im Mundbereich und nicht großflächig. Diese Produkte sind für die Mundhöhle und die Lippen gedacht, nicht für Schleimhäute an anderen Stellen – dort ist die Aufnahme höher und die Wirkung schlechter kalkulierbar. Für großflächige Anwendung sind Produkte aus der Körperpflege gedacht, nicht diese hier.
Verträglichkeit und Haltbarkeit
Vor der ersten Anwendung eines betäubenden Produkts lohnt ein Test an einer kleinen Stelle im Mund – etwa an der Innenseite der Lippe – mit einer Viertelstunde Wartezeit. Brennen, Schwellung oder ein pelziges Gefühl über den erwarteten Effekt hinaus bedeuten: nicht weiter verwenden.
Bei der Haltbarkeit gilt das Übliche: Das Symbol mit der geöffneten Dose nennt die Zeit nach dem Öffnen. Sprays halten länger als Gels, weil sie weniger Kontakt zur Umgebung haben. Ein Produkt, dessen Geruch sich verändert hat, wird nicht mehr in den Mund genommen.
Für den ersten Kauf
Wer den Geschmack verändern möchte, nimmt ein rein aromatisiertes Produkt ohne Wirkstoff – wasserbasiert, wenn ein Kondom im Spiel ist, und zuckerfrei, wenn danach mehr folgt.
Wer wegen des Würgereizes hier gelandet ist, sollte zuerst die Varianten ohne Wirkstoff ausprobieren: Kopfhaltung, Position, Tempo. Wenn es dann doch ein betäubendes Produkt sein soll, gilt sparsam dosieren, Wirkung abwarten, langsamer vorgehen als ohne – und vorher sagen, dass der Effekt auch bei der anderen Person ankommt.





























