Der Unterschied im Material
Beide glänzen, und auf einem Produktfoto sind sie kaum zu unterscheiden. Im Gebrauch trennen sie sich sofort: Wetlook ist ein Gewebe mit hohem Elasthananteil und einer dünnen glänzenden Beschichtung, die die Dehnung mitmacht. Beschichteter Lack hat einen dickeren Auftrag, der weniger nachgibt als das Trägermaterial darunter.
Praktisch heißt das: Wetlook passt sich an, Lack formt. Ein Wetlook-Teil folgt der Bewegung und sitzt im Sitzen ähnlich wie im Stehen; ein Lackteil zieht an den Stellen, an denen die Beschichtung nicht mitgeht.
Für die Auswahl folgt daraus die einfachste Regel der Fetisch-Mode: Wer sich bewegen will, nimmt Wetlook. Wer eine glatte, formende Silhouette will, nimmt Lack – und plant dafür ein, dass es sich nach einer Stunde anders anfühlt. Wer statt beschichtetem Gewebe echtes Material sucht, ist bei Lack und Leder richtig – dort gelten andere Regeln für Größe und Pflege.
Größe
Bei Wetlook gilt das Gegenteil dessen, was bei Lack gilt. Weil das Material dehnbar ist, wirft eine zu große Größe Falten, und Falten brechen den Glanz – ein Wetlook-Teil, das nicht anliegt, sieht schlechter aus als eines, das gerade so passt.
Im Zweifel also die kleinere Größe. Maßgeblich sind Brust- und Hüftumfang aus der Herstellertabelle, nicht die gewohnte Konfektionsgröße; bei Stretchmaterial decken die angegebenen Größen einen weiten Bereich ab, aber die Länge tut es nicht.
Bei einteiligen Modellen entscheidet die Rumpflänge über den Sitz mehr als der Umfang. Ab etwa 175 Zentimetern Körpergröße lohnt der Blick auf die Längenangabe in Zentimetern – bei glänzendem Material fällt ein zu kurzes Teil sofort auf, weil sich der Stoff quer spannt und der Glanz dort bricht.
Nähte
Der Punkt, an dem Wetlook-Teile am häufigsten scheitern. Ein Stoff, der sich dehnt, braucht eine Naht, die sich mitdehnt – eine Overlock- oder Coverstich-Naht mit elastischem Garn. Eine gewöhnliche Steppnaht reißt beim ersten kräftigen Dehnen, und zwar genau dort, wo die Belastung am größten ist.
Prüfbar ist das vor dem ersten Tragen: Naht mit beiden Händen leicht auseinanderziehen. Gibt sie mit und federt zurück, ist sie elastisch genäht. Bleibt sie starr und der Stoff daneben dehnt sich, ist sie es nicht – und dann ist die Stelle die Sollbruchstelle des Teils.
Bei Teilen mit Reißverschluss lohnt der Blick auf die Einfassung. Ein Reißverschluss in einem dehnbaren Material braucht ein stabilisiertes Band daneben, sonst wellt sich der Stoff um ihn herum nach wenigen Trageeinsätzen.
Schwitzen
Keines der beiden Materialien ist atmungsaktiv. Unter Wetlook staut sich Wärme genauso wie unter Lack, nur fällt es weniger auf, weil sich das Material weicher anfühlt – die Haut darunter ist nach einer halben Stunde trotzdem feucht.
Das gehört für viele zum Reiz dazu und hat trotzdem praktische Folgen. Bei längerem Tragen sind Wasser in Reichweite und die Bereitschaft, das Teil auch wieder auszuziehen, Teil der Vorbereitung.
Ausgezogen wird, bevor der Schweiß darunter kalt wird. Danach innen auswischen und offen trocknen lassen – feucht zusammengelegt ist die zuverlässigste Methode, ein glänzendes Teil zu ruinieren, weil sich die Beschichtung dort löst, wo sie aufeinanderliegt. Bei Ouvert-Wäsche aus demselben Material entfällt dieser Punkt teilweise, weil dort weniger Fläche auf der Haut liegt.
Waschen
Von Hand in lauwarmem Wasser mit Feinwaschmittel oder im Wäschenetz bei dreißig Grad. Kein Weichspüler – er legt sich um die Fasern und mindert die Elastizität, auf die bei diesem Material alles ankommt.
Und kein Trockner. Hitze zerstört Elasthanfasern dauerhaft, und ein Wetlook-Teil, das seine Dehnung verloren hat, ist nicht mehr zu retten: Es sitzt dann weder eng noch fällt es, sondern liegt dazwischen.
Getrocknet wird liegend oder auf einem breiten Bügel. Nasses Elastan längt sich unter dem eigenen Gewicht, und ein hängend an einer dünnen Stange getrocknetes Teil ist danach an den Schultern ausgeleiert.
Farbabgabe und Kontakt
Dunkle glänzende Materialien färben ab, besonders Schwarz und Rot, und besonders bei Wärme und Reibung – also genau unter den Bedingungen, unter denen sie getragen werden. Vor dem ersten Tragen mit einem feuchten hellen Tuch innen abreiben und prüfen.
Auf der Haut geht die Farbe mit Seife wieder ab. Auf hellen Polstern und hellen Textilien nicht zuverlässig – wer dunkle Wetlook-Teile trägt, denkt an eine Unterlage.
Beim Lagern gehören helle und dunkle glänzende Teile nicht aufeinander. Dasselbe gilt für den Kontakt mit anderem beschichtetem Material: Zwei Beschichtungen, die über Monate aufeinanderliegen, können verkleben.
Was den Glanz zerstört
Dieselben vier Dinge wie bei Lack, in derselben Reihenfolge: Fett und Öl, Hitze, Reibung an rauen Oberflächen und Lösungsmittel. Bei Wetlook kommt hinzu, dass die dünnere Beschichtung empfindlicher gegen mechanische Belastung ist – ein Wetlook-Teil, das über eine raue Sofalehne gescheuert wurde, zeigt das schneller als ein dickeres Lackteil.
Ölhaltige Massageöle, fettige Cremes und ölbasiertes Gleitgel gehören deshalb nicht in die Nähe. Was einmal stumpf ist, bleibt es.
Zur Auffrischung reicht bei Wetlook meist Abwischen mit lauwarmem Wasser und einem Tropfen mildem Spülmittel. Silikonpflegemittel, wie sie bei Lack und Latex verwendet werden, sind hier selten nötig und in zu großer Menge kontraproduktiv, weil sie Staub anziehen.
Wofür sich Wetlook eignet
Für alles, bei dem man sich bewegt. Es ist das einzige glänzende Material, das über einen ganzen Abend tragbar bleibt, sich normal anziehen lässt und keine Sondergrößen braucht. Und es ist das Material, in dem es die meisten Schnitte gibt: Kleider, Bodys, Leggings und Röcke, nicht nur einzelne Wäscheteile.
Für den Einstieg in glänzende Materialien ist es außerdem die risikoärmste Wahl: Es verzeiht Größenfehler, lässt sich waschen, und wenn sich herausstellt, dass die Optik nicht passt, hat man die Frage trotzdem beantwortet.
Weniger geeignet ist es, wenn eine formende, glatte Silhouette das Ziel ist – dafür braucht es die dickere Beschichtung, und die gibt es nur mit dem Nachteil der geringeren Dehnung.
Für den ersten Kauf
Ein Wetlook-Teil in der kleineren der beiden infrage kommenden Größen, mit elastisch genähten Nähten und in Dunkel. Vor dem ersten Tragen die Nähte auf Dehnbarkeit prüfen und innen auf Farbabgabe testen.
Und einplanen, dass es nach einer halben Stunde warm wird. Das ist kein Mangel des Materials, sondern seine Eigenschaft – wer es weiß, plant den Abend danach und nicht umgekehrt.


